Die Gecko Group AG sowie ihre Tochterfirmen in Wetzlar und Aßlar haben am Mittwoch Insolvenz angemeldet. Betroffen sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters, Rechtsanwalt Jan Markus Plathner aus Frankfurt, etwa 120 Beschäftigte. Der Betrieb laufe unverändert weiter. Gründe für die Zahlungsunfähigkeit könne er nach einer allerersten Prüfung noch nicht sicher nennen. "Nach Angaben der Geschäftsführung gab es aber keine neuen Kredite mehr", sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung.
Betroffen von der Insolvenz sind alle Unternehmensteile: die Gecko Group AG und die Gecko Energy Service GmbH in Wetzlar sowie in Aßlar die GeckoLogic GmbH, die Gecko Logic Installations GmbH und die GeckoVoltaik Systems GmbH. Die Gecko Gruppe plant, baut, betreut und betreibt Solarkraftwerke von kleinen privaten Anlagen bis zu Photovoltaik-Großkraftwerken.
Mit zuletzt 120 Mitarbeitern und über 4000 realisierten PV-Anlagen gehört die Gecko Group AG nach eigenen Angaben zu den Großen der Branche.
"Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen fortführungsfähig ist. Wir sehen uns mit einem Team jetzt alles ganz genau an. Wie die Sanierung letztlich aussieht, kann ich noch nicht sagen. Wir sind erst ganz am Anfang", so Insolvenzverwalter Plathner. Seine wichtigste Aufgabe sei, Arbeitsplätze zu erhalten.
"Wir haben ein geordnetes Unternehmen und eine geordnete Geschäftsführung
vorgefunden. Das ist längst nicht immer so", berichtete der Rechtsanwalt.
Zudem habe Gecko "sehr motivierte Mitarbeiter, die hinter dem Unternehmen
und dem Produkt stehen".
Jan Markus Plathner hat nun drei Monate Zeit, die Gecko Group wirtschaftlich wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen. "Am Ende des Tages geht es darum, einen Investor zu finden", sagte er und ließ durchblicken, dass es ihm in dieser Hinsicht nicht bange sei.
Jetzt gehe es vor allem auch darum, die Kunden zu beruhigen und bei der Stange
zu halten. Der Auftragsbestand sei "vernünftig. Das sieht ziemlich gut aus", so Plathner. Auch die Fortführung begonnener Projekte und die Betreuung von Anlagen sei gesichert. "Die Stimmung ist natürlich bescheiden. Wir sind am Mittwochabend informiert worden", sagte gestern eine Mitarbeiterin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Zugleich zeigte sie sich optimistisch: "Aber Gecko ist nicht am Ende. Das Geschäft läuft ja weiter."
2002 hatten Steve Gyoerffy und Claus Wohlgemuth in Aßlar die GeckoLogic GmbH als Keimzelle des Unternehmens gegründet. Zum 31. März 2011 sind beide nach offiziellen Angaben auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand der Unternehmensgruppe ausgeschieden. Geschäftsführer der Gecko Group AG ist der Diplom-Volkswirt Markus Ziener. Er will sich erst heute zur Insolvenz des Unternehmens und ihren Gründen äußern.
Nach Informationen dieser Zeitung kommt die Insolvenz zu einem Zeitpunkt, da das nach außen hin florierende Unternehmen interne Probleme gelöst hatte. Nach dem Ausscheiden des alten Vorstands seien falsche Personalentscheidungen im mittleren Management gefällt, inzwischen jedoch wieder revidiert worden, so ein Kenner des Unternehmens. Besonders tragisch sei, dass die Hausbank weitere Kredite abgelehnt habe, obwohl die Auftragslage nach einer Krise wieder sehr gut sei.
Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung vom 7. Oktober 2011, Seite 17
