Von Jürgen Schultheis
Die Abwärme nutzen, dieser Gedanke schießt Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth am Dienstagmittag in der Bertha-von-Jourdan-Schule im Nordend gleich durch den Kopf. Energie, das ist das Thema an diesem Tag, Energie, die von Dächern benachbarter Häuser kommt, die der städtischen Wohnungsbau- Holding ABG gehören. Dort fließt aus den Photovoltaik-Elementen der Gießener Firma Geckologic umweltfreundlich erzeugter Strom ins Netz - oder in die wiederaufladbaren Akkus von Fahrrädern mit elektrischem Hilfsmotor, so genannten Pedelecs.
Mieter, die in ABG-Häusern mit Photovoltaikanlage auf dem Dach untergekommen sind, können Anteile im Wert von 500 bis 20 000 Euro an diesen Anlagen erwerben. Sie erhalten dafür eine feste Rendite von vier Prozent im Jahr, sagt ABG-Chef Frank Junker. Darüber hinaus haben die Mieter die Möglichkeit, eines der 40 angeschafften Pedelecs zu leasen. Für 32 bis 44 Euro im Monat können die Bewohner von ABG-Wohnungen unterstützt von elektrischer Energie und damit fast ohne Anstrengung durch die Stadt fahren, Einkäufe erledigen oder die Fahrt ins Büro zurücklegen. Und da die Energie auf dem Dach nahezu CO 2 -frei gewonnen werden kann, nähern sich Frankfurt, ihre Holding ABG und die Mieter dem Prinzip der Nachhaltigkeit an.
Petra Roth und ABG-Chef Frank Junker sprechen angesichts der Verbindung von Wohnen im Passivhaus, der Möglichkeit, festverzinsliche Beteiligungen an den Photovoltaik-Anlagen zu erwerben, in einem Passivhaus zu wohnen und die Möglichkeit zu haben, Elektroroller oder Pedelec mit Strom vom Dach aufzuladen zu können, vom "Frankfurter Modell". Und das soll in ein paar Jahren auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt werden. Die Stadt hat nämlich registriert, dass Hamburg im nächsten Jahr den Titel Green Capital tragen wird. Aber was Hamburg da machen wolle, sagt Junker, "sind reine Absichtserklärungen", weshalb er schmunzelnd vor dem PC gesessen habe. Frankfurt sei seit zehn Jahren Marktführer im Passivhausbau, vieles, was Hamburg erst erreichen wolle, habe Frankfurt bereits. Für Petra Roth steht fest, dass angesichts des Erreichten nicht neu investiert werden muss für die Bewerbung um den Titel Green Capital, der von der EU-Kommission vergeben wird. Zumal Frankfurt auch in Europa über die einzigen beiden Hochhäuser verfüge (UBS-Tower an der Oper und die Green Towers der Deutschen Bank), die zertifiziert seien und Nachhaltigkeits- Labels der höchsten Güte trügen. Deshalb bereitet die Stadt eine Bewerbung für das Jahr 2014 vor. Die Jahre 2012 und 2013 seien bereits vergeben.
Auf 19 Liegenschaften der ABG entstehen bis 1. Juli 3000 Quadratmeter Photovoltaik- Anlagen. Die Anlagen erzeugen einen Leistung von 350 000 Kilowattstunden im Jahr und vermeiden einen Ausstoß von 200 Tonnen klimaschädigenden Kohlendioxids. Ein Laubbaum verbraucht in 100 Jahren eine Tonne Kohlendioxid. "Wir haben also auf den Dächern einen großen Teil des Frankfurter Stadtwaldes stehen", sagt Thomas Tuntsch, Niederlassungsleiter von Geckologic in Frankfurt.
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Quelle: Frankfurter Rundschau vom 09.06.2010
