Von Anton J. Seib
Das Bier ist bernsteinfarben, hat einen Alkoholgehalt von fünf Prozent und ist untergärig gebraut. 900 Liter hat Braumeister Sascha Reifenberg in den Kesseln der Kronenhof-Hausbrauerei reifen lassen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch das Pils hat es in sich. "Es ist ausschließlich mit Sonnenkraft produziert worden", sagt Kronenhof-Betreiber Hans-Georg Wagner. Denn den Prozessstrom lieferte die hauseigene Photovoltaikanlage. Seit Herbst 2009 produzieren 1500 Module auf den Dächern der Pferdeställe Strom.
Die größte Anlage dieser Art im Vordertaunus erzeugt, schönes Wetter vorausgesetzt, täglich bis zu 1400 Kilowattstunden. "Das reicht aus, um 60 Haushalte im Jahr komplett mit Strom zu versorgen", rechnet Claus Wohlgemuth, Geschäftsführer der Herstellerfirma Gecko Logic mit Hauptsitz in Wetzlar, vor. Und das bringt nicht nur Geld in die Kasse, auch der Umwelt wird geholfen. "Mit der Anlage sparen wir jährlich 142 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid ein", sagt Wohlgemuth. Das entspreche der Reinigungskraft eines Waldes mit etwa 15 000 Bäumen, so der Solar-Experte.
Firmen wie Gecko haben sich inzwischen einen festen Platz auf dem Energiemarkt gesichert. "Als wir vor acht Jahren anfingen, waren wir zu zweit. Heute beschäftigen wir 165 Mitarbeiter, davon zwölf Auszubildende", sagt Wohlgemuth. Und das Geschäftsvolumen haben man seither um das 200- fache gesteigert.
Tue Gutes und rede darüber, nach diesem Motto verfährt der Bad Homburger Landwirt und Gastronom Wagner. "Die Idee der nachwachsenden Rohstoffe muss nach draußen transportiert werden", sagte er gestern bei der offiziellen Inbetriebnahme der Sonnenstromanlage. Dieser Idee hat sich Wagner, Spitzname "nachwachsender Wagner", verschrieben, seit er vor zehn Jahren den Kronenhof gebaut hat. Damals installierte er ein Blockheizkraftwerk, dessen mit Rapsöl angetriebener Motor noch heute Strom und Wärme liefert. Und so wirbt Wagner auch jetzt für zukunftsweisende Energieerzeugung.
"Man muss auch mal ein Risiko eingehen, zeigen, dass es auch anders geht. Und wir dürfen nicht immer auf die Politik warten. Man muss es wollen", sagt Wagner. Dass er die eine Million Euro teure Investition gewagt hat, liegt auch an der Subvention, die das Erneuerbare- Energien-Gesetz den Betreibern gewährt, 41 Cent pro Kilowattstunde zahlt die Süwag an Wagner für den eingespeisten Strom. Erst dadurch werden solche Anlagen rentabel.
Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) kündigte an, nachzuziehen. Demnächst werde auf dem Dach der Albin-Göhring-Halle eine Photovoltaikanlage gebaut. Korwisi: "Wir kommen dem Ziel näher, in der Solarliga vom vorletzten Platz nach vorn zu rücken."
Solarmesse auf dem Kronenhof am Samstag und Sonntag, 17. und 18. April, jeweils 11 bis 17 Uhr.
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