GeckoLogic-Chef spricht überWachstum und Wende auf dem Energiemarkt
Sie haben die Gecko- Group vollkommen neu formiert. Wie sieht das Unternehmen nun aus?
Steve Gyoerffy: Gründergesellschaft war die GeckoLogic GmbH. Inzwischen haben wir die Gesellschaft nach Kundensegmenten abgegrenzt. Als Holding fungiert die Gecko- Group AG mit den Zentralfunktionen Finanzen, Marketing, Einkauf, Personalentwicklung, Recht und Controlling. Zu den einzelnen Gesellschaften: Die GeckoLogic GmbH richtet sich an private Endkunden. Montiert werden die Anlagen von der GeckoInstallations GmbH Die GeckoLogic XXL wendet sich auch an Endkunden, realisiert aber Großanlagen. Die GeckoVoltaik Systems ist unser Handelshaus und verkauft Segmente und Systeme an Wiederverkäufer wie Monteure und Handwerker. Und dann gibt es noch Gecko-Voltaik Panels, das ist unsere Modulherstellung. International ist GeckoLogic in den USA und China vertreten, in anderen Ländern sind wir im Aufbau.
Sie produzieren auch selbst?
Gyoerffy: 80 Prozent unserer Module kaufen wir ein, 20 Prozent ungefähr kommt aus eigener Produktion. Eine größere Fertigungsstraße produziert für uns in Brandenburg, eine haben wir in China und zurzeit sind wir gerade an Verhandlungen mit einer amerikanischen Firma.
Gibt es in China keine Qualitätsprobleme?
Gyoerffy: Die großen Hersteller weltweit sind von der Qualität her als gleichrangig anzusehen. Alle Produkte des führenden chinesischen Modulherstellers Yingli sind vom TÜV Rheinland zertifiziert. Mit diesen Modulen arbeiten wir auch. Bei uns ist die Qualität von größter Bedeutung. Das erwartet der Kunde von uns und dafür werden wir bezahlt.
Durch die staatliche Förderung und die hohe Einspeisevergütung gab es einen Boom bei der Photovoltaik. Ebbt das Geschäft jetzt ein wenig ab?
Gyoerffy: Wir sind jetzt seit fast acht Jahren auf dem Markt und haben über 3000 Anlagen gebaut. In den vergangenen Jahren sprachen wir von Wachstumszahlen im dreistelligen Bereich. Jetzt sind sie noch immer im zweistelligen Bereich. Wobei im Blick auf solche Zahlen zu berücksichtigen ist: Von einer Anlage auf zwei zu kommen, ist relativ leicht. Aberum eine Zahl von 1000 Anlagen zu verdoppeln, bedarf es schon einiger Anstrengung.
Die staatliche Förderung sinkt von Jahr zu Jahr. Wie stehen Sie zu Forderungen, sie noch weiter herunterzufahren?
Gyoerffy: Grundsätzlich geht an der Umorientierung auf innovative und vor allem regenerative Energien kein Weg vorbei. Nur, wie führt man die Leute an die Technik ran? Da bedarf es kluger Anreizsysteme, ohne die die Markteinführung neuer Umwelttechnologien nur selten gelingt. Die Förderung durch das Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) war und ist da teilweise noch eine sinnvolle Anschubhilfe. Im Übrigen ist die deutsche Version des EEG ein Exportschlager. Es gibt 47 Länder der Welt, die es mittlerweile übernommen haben. Aber generell sollte man mehr und mehr von der Förderung wegkommen. Allerdings nur in verantwortbaren Schritten, die nicht tausende neu entstandener Arbeitsplätze in der deutschen Solarindustrie gefährden. Wir selbst schauen der Entwicklung gelassen entgegen, da wir recht gut aufgestellt sind.
Lohnen sich Anlagen in Deutschland?
Gyoerffy: Finanzell sicher, die zu erzielenden Renditen für Investoren sind gut. Darüber hinaus wird immer wieder die Frage gestellt, ob und wann die Energieversorgung zu hundert Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden kann. Dabei sollte zunächst der erste Schritt vollständig umgesetzt werden, der darin besteht, den Spitzenstrom durch Techniken wie Photovoltaik abzudecken. Es gibt noch unendlich viele ungenutzte Dachflächen und Fassaden. Allein durch solche Aufdach-Anlagen ließe sich ein bedeutender Teil des täglichen Strombedarfs in Deutschland decken. Auch an Freiflächenanlagen wäre zu denken. Interessant ist so etwas beispielsweise für Landwirte. Die werden in naher Zukunft noch mehr zu Energiewirten, durch Solarstrom, durch Biomasse, durch Windräder. Sie werden Orte beliefern mit Strom oder mit Brennmaterialien. Eine solch dezentrale Energieversorgung mit vielen Hunderten Kleinanlagen wirkt zudem mittelfristig preisregulierend. Das heißt, der Verbraucher wird in absehbarer Zeit merken, dass die erneuerbaren Energien durchaus auch ein kostensenkendes Potential haben.
Was halten sie vom geplanten Solar-Großkraftwerk in der Sahara?
Gyoerffy: Ökologisch kann das Sinn machen, energiepolitisch eher nicht. Großanlagen fördern eine Zentralisierung der Energieversorgung auf die bekannten Großunternehmen RWE, ENWB oder Vattenfall. Die besondere Chance der Photovoltaik dagegen liegt darin, dass es sich um eine dezentrale Technik handelt. Es ist eine Energie der kurzen Wege. Sie schafft Unabhängigkeit und stärkt damit den einzelnen Verbraucher, der seinen Energiebedarf teilweise selbst produzieren kann.
Die Module sind im Vergleich zu vor zwei Jahren ungefähr um 30 Prozent billiger geworden. Ist jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht?
Gyoerffy: Die Effizienz lässt sich sicher noch weiter steigern. Wir werden perspektivisch deutlich mehr Watt pro Quadratmeter Fläche produzieren können. Was wir in den nächsten Jahren auf jeden Fall erreichen werden, ist, dass Energie aus Photovoltaik letztlich nicht teurer kommt als der herkömmliche Strom. Beim Spitzenstrom ist dieses Ziel mehr als realistisch. Denn der wird normalerweise durch Gas hergestellt, also durch teure Gasimporte aus der Ukraine. Genau mittags aber liefern Photovoltaikanlagen die meiste Energie. Deshalb müssen wir diese Preise vergleichen. Wir konnten 2007 durch den Einsatz regenerativer Energien insgesamt 5,4 Milliarden Euro einsparen. Dieses Geld wäre ansonsten ins Ausland, in Länder wie die Ukraine oder auch die arabischen Staaten geflossen. Insofern macht das Ganze auch volkswirtschaftlich Sinn.
Lexikon: GeckoLogic
Die Firma GeckoLogic hat eigenen Angaben zufolge 110 Mitarbeiter, sowie etwa 20 Handelsvertreter. Damit sieht sich die Firma mit Hauptsitz im Wetzlarer Gewerbepark Spilburg als einer der größeren Anbieter in der Solarbranche. Niederlassungen betreibt GeckoLogic etwa in Aßlar (Lahn-Dill-Kreis), Limburg, Friedberg und Biedenkopf. Hessen ist der Heimatmarkt. Im Handelsgeschäft ist die Firma allerdings auch deutschlandweit tätig. Auch bei Installationen sind deutschlandweite Projekte geplant. (red)
» Download des Presseartikels als PDF
